L’avion – Gabriel Yared

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Nach der großen Enttäuschung und Verärgerung über die Ablehnung seiner Partitur zum später gefloppten Historienspektakel Troja (2004) hat sich Gabriel Yared nun wieder stärker dem europäischen Kino zugewandt und den nachdenklichen Kinderfilm L’avion vertont. In dem gefühlvollen Drama geht es um einen kleinen Jungen, der den frühen Tod seines Vaters verarbeiten muss.

So überrascht nicht, dass Yared hier keine ausladende Abenteuer-Sinfonik im Geiste Harry Potters oder ähnlicher Fantasy-Stoffe zu Notenpapier gebracht hat, sondern sich sehr zurückhaltend gibt. Seine Komposition orientiert sich vor allem an Vorbildern im eigenen Schaffen. Der elegisch-schwermütige Gestus erinnert in erster Linie an die Liebesdramen Message in a Bottle und Der Englische Patient (1996) , die Yared Mitte der 90er Jahre vertont hat. Elegische Streichermelodien, Soli von Klarinette und Oboe sowie träumerische Klavieretüden stehen bei L’avion im Mittelpunkt einer sehr feinfühligen und intim gehaltenen Komposition. Besonders reizvoll und lyrisch sind Yared die Themen gelungen, die in ihrer einfachen aber nie banalen Art den Sehnsüchten, Ängsten und dem Erstaunen des kleinen Jungen effektvolle musikalische Bilder verleihen.

Durch die schönen melodischen Akzente sticht L’avion zwischen einigen ähnlich gelagerten – aber insgesamt blasseren Arbeiten des Komponisten (z.B. die Vertonung der Filmbiographie Sylvia (2003)) – hervor. Wer die genannten Vorbilder mag, wird L’avion vermutlich lieben. Die zeitlose Eleganz, die prachtvollen Themen und die ungemein stimmungsvolle Atmosphäre nehmen besonders für diese lyrische Filmmusik ein. Da überhört man dann auch gerne manche offenkundige Parallele zu Yareds frühren Arbeiten und die gewisse Einfachheit in der thematischen Verarbeitung.

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