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Kolumne

Mittwoch, 27.3.2002: Nachbericht Oscarverleihung

Wer unzufrieden mit den Oscars ist,...

der sollte sich darum keinen großen Kopf machen. Denn der filmhistorische Einfluß der Verleihung ist viel geringer, als die Academy es uns gerne glauben machen möchte.

Einige der größten Filmklassiker wurden nicht als Bester Film ausgezeichnet oder gar in dieser Kategorie vorgeschlagen. Ob Ridley Scotts Blade Runner, Stanley Kubricks 2001 (beide nur in technischen Kategorien berücksichtigt) oder Orson Welles "nur" nominierter Citizen Kane: Die Liste der Irrtümer und Fehleinschätzugen der Academy of Motion Picture Arts and Science ist lang.

Jeder verdienten Auszeichnung stehen meist mehrere höchst problematische und unverdiente Ehrungen gegenüber. Ridley Scotts Gladiator mag ein unterhaltsames Popcorn-Spektakel sein, aber der beste Film des Jahres 2000? American Beauty, einer der wichtigsten Filme der 90er, war der verdiente Sieger 1999. Robert Zemeckis manipulativer Forrest Gump (Bester Film 1994) und die simplifizierte Geschichtsdarstellung in Braveheart (Bester Film 1995) sind hingegen kaum ernsthaft preiswürdig (wenn auch sicher keine schlechten Filme).

Ernst nehmen darf man die Oscars gewiß nicht. Wenn eine Auszeichnung auf Qualität trifft handelt es sich eher um einen Glückstreffer, als eine durchdachte Juryentscheidung.

Ob A Beautiful Mind der beste Film des abgelaufenen Jahres war oder nur manipulatives Starkino, mag jeder selbst beurteilen. Mit Memento und dem Herrn der Ringe lief allerdings eindeutig Besseres in den Lichtspielhäusern.

Spaß machen tut der Jahrmarkt der Eitelkeiten und die Selbstbeweihräucherung der Preisverleihung aber trotzdem. Und so werden die meisten wohl auch im nächsten Jahr wieder gebannt lauschen, wenn es heißt "And the Oscar goes to...". (mr)

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