INHALT

Rezension

"Alles wie gehabt"

James Horner:

A Beautiful Mind (2001) ***

James Horner lässt sich manchmal mit einem Zauberer vergleichen, der seine Trick mehrere Male zu oft wiederholt und damit überstrapaziert hat. In den letzten Jahren kamen seine Filmmusiken selten über solides Handwerk hinaus. Selbst eingefleischte Fans des Komponisten stoßen sich zunehmend an den immer gleichen musikalischen Phrasen und Motiven sowie der Ideenlosigkeit in der Orchestrierung. Dabei sind die meisten seiner Partituren alles andere als ungenießbar. Im Gegenteil: Routiniert ausgearbeitet, bieten sie fast immer schöne wie stimmungsvolle Hörerlebnisse.

Wer nur wenige Filmmusiken Horners kennt, könnte deshalb auch leicht sein neuestes Werk überschätzen. Für Ron Howards mit vier Oscars (u.a. Bester Film) ausgezeichnetes Drama A Beautiful Mind schrieb Horner einen ruhigen, verhaltenen Score, der mit einem schönen Hauptthema, hübschen Vokalisen der jungen Opernsängerin Charlotte Church sowie eleganten Streicherpartien bei einfach gestalteter Klavierbegleitung aufwartet.

Das ist alles sehr stimmungsvoll und nett anzuhören, aber eben auch alles andere als neu. Obwohl der Film eine ganz andere Thematik besitzt, verwendet Horner Melodien, die denen aus Titanic (1997) und Braveheart (1995) frappierend ähneln. Die Vokalisen sind eine Mischung der in Apollo 13 (1995) und Titanic gehörten. Alles schon einmal dagewesen also. Viel Abwechslung bietet die über siebzig Minuten überlange Soundtrack-CD dazu nicht.

Umso erstaunlicher, daß Horners Score mit dem Erfolg des Filmes auch für den Golden Globe und den Oscar nominiert wurde. Dies ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie sehr der Erfolg des Filmes auch den Erfolg des Soundtracks bestimmt. Ob dies verdient ist oder nicht, scheint dabei letztlich nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Sei es drum. Wer noch einen neuen James Horner im Stile seiner ruhigen Musiken sucht, kann hier unbesorgt zugreifen. Solange er zumindest keine nennenswert neuen Akzente erwartet... (mr)

Decca 016 191-2
Dirigent: James Horner
71:09 Min.

Filminfo:
Regie: Ron Howard
Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly

Tracklist:

  1. A Kaleidoscope of Mathematics (4:55)
  2. Playing a Game of "GO!" (3:34)
  3. Looking for the Next Great Idea (3:02)
  4. Creating "Governing Dynamics" (2:33)
  5. Cracking the Russian Codes (3:22)
  6. Nash Descends into Parcher's World (4:39)
  7. First Drop-Off, First Kiss (5:15)
  8. The Car Chase (2:24)
  9. Alicia Discovers Nash's Dark World (8:29)
  10. Real or Imagined? (5:47)
  11. Of One Heart, Of One Mind (6:21)
  12. Saying Goodbye to Those You So Love (6:43)
  13. Teaching Mathematics Again (3:16)
  14. The Prize of One's Life... The Prize of One's Mind (3:02)
  15. All Love Can Be (Charlotte Church song) (3:17)
  16. Closing Credits (4:48)