Hellboy – Marco Beltrami

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Der Plot der neuen Comicverfilmung Hellboy liest sich auf dem Papier als fürchterlich abstruse und krude Angelegenheit: Ein 1944 von den Nazis geschaffener Dämon (!) wechselt die Seiten und arbeitet fortan – guter puritanischer Erziehung sei Dank – für den Amerikanischen Geheimdienst. In den USA spielte der trashige Reißer seit April satte 60 Mio. US-Dollar ein und steht damit kurz vor dem Erreichen der Gewinnzone. Ob das eigenwillige Spektakel in Deutschland – Starttermin ist September – ähnlich gut ankommen wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Immerhin hat Marco Beltrami für den Film von Regisseur Guillermo Del Toro eine überraschend ambitionierte und vielschichtige Vertonung geschaffen. Er arbeitet im Wesentlichen mit drei sehr prägnanten Themen: dem düster-heroischen Heldenthema für den Hellboy, das Liebesthema bzw. das Thema für die Figur der Liz und zu guter Letzt eine markante Melodie für den Bösewicht, die sogar zu einer opernhaften, in deutsch gesungenen Arie („Kroenen’s Lied“) verarbeitet wird. Bestechend ist die Vielseitigkeit, mit der Beltrami zu Werke geht. Da gibt es rauschhafte Choräle, Tangoelemente, wirkungsvoll integrierte elektronische Rhythmen und modernistische Passagen zu hören. Natürlich ist das alles nicht neuartig, in vielem zum Beispiel an Jerry Goldsmith und auch Danny Elfman erinnernd, aber trotz dieser Einflüsse durchaus eigenständig gehalten. Was bei einem schwächeren Komponisten schnell in überdreht-krawalliger Action-Sinfonik ausgeartet wäre, findet bei Beltrami durch die sorgfältige thematische Verarbeitung Zusammenhalt.

Hellboy ist ein ganz starker Score des jungen Komponisten, bei dem Qualität und Unterhaltungswert Hand in Hand gehen. Entscheidend hierfür ist sicherlich, dass es Beltrami gelingt, den starren Vorgaben und Schemata der üblichen Untermalungen im Horror- und Science Fiction-Genre ein gutes Stück zu entfliehen. Damit zeigt sich auch seine Ambition, dem leider immer noch stets präsenten Schubladendenken vieler Filmproduzenten entgegenzuwirken. So fehlt Beltrami nach wie vor endlich mal ein Projekt, bei dem er sein beträchtliches Talent voll zur Geltung bringen kann.

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