Die Blaue Grenze – Enis Rothoff

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Enis Rotthoff hat für den Episodenfilm Die Blaue Grenze eine melancholische Musik komponiert, die dem an der Nordsee spielenden Drama eine stimmungsvolle Atmosphäre verleiht. Er setzt über weite Strecken der Vertonung auf elegische, geradezu klassizistisch anmutende Streicherpassagen mit Soli von Violine und Cello. Sirenenhafte Vokalisen und synthetische Klangkollagen unterstreichen die unergründliche Faszination, die vom Meer ausgeht. Ruhiges Klavierspiel setzt weitere nachdenkliche Zwischentöne. Nur gelegentlich wird die traurige, intime Grundstimmung durch lakonische Jazzeinlagen oder überzeugend ins Gesamtbild integrierte Balladen der Band Lambchop aufgebrochen.

Dank dem schönen Hauptthema, das die Partitur wie ein roter Faden durchzieht, gelingt Rotthoff eine klangschöne wie elegante Vertonung. Zwar gibt es immer wieder auch rein atmosphärische, allein filmdienliche Passagen. Doch diese sind meist so kurz, dass sie den Fluss der Komposition nicht nennenswert unterbrechen. Auch die Referenzen zu anderen Filmmusiken halten sich in Grenzen. Zwar denkt man bei manchem Streicherostinati an die Minimalismen eines Philip Glass, rufen die jazzigen Stücke Angelo Badalamentis Twin Peaks in Erinnerung oder finden sich im elegischen Grundstil gewisse Parallelen zu den lyrischen Arbeiten des Libanesen Gabriel Yared. Doch diese Querverweise sind weitaus weniger aufdringlich als es bei diversen US-Komponisten dieser Tage der Fall ist, die sich allein an offensichtlichen Temp-Tracks entlanghangeln.

Unterm Strich stellt Die blaue Grenze eine zwar einfach gehaltene, aber nichtsdestotrotz bemerkenswerte Filmmusik aus deutschem Lande dar. Die vorzüglich klingende Aufnahme rundet den positiven Gesamteindruck ab. Schade nur, dass die CD bislang nicht ihren Weg in den offiziellen Handel gefunden hat. Wer nun aber neugierig geworden ist, kann sie glücklicherweise online bei Scoring Records bestellen.

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