Dancer in the Dark (Selma Songs) – Björk

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Björk gehört zu den Ausnahmeerscheinungen im schnelllebigen Popgeschäft. Die zierliche Isländerin schrieb mit ihren vier Studioalben „Debut“, „Post“, „Telegram“ sowie „Homogenic“ Musikgeschichte. Selten war derart abstrakte und komplexe Popmusik zugleich so erfolgreich. Von HipHop bis Jazz, von elektronischer Musik bis hin zu Streicherquartetten gelang es der talentierten Sängerin, unterschiedliche Musikrichtungen zu einem einzigartigen Stil zu verschmelzen. Nun bot ihr der dänische Regisseur Lars van Trier eine neue Herausforderung: die Hauptrolle in seinem Musical Dancer in the Dark. Zugleich konnte er Björk überzeugen, auch die Komposition der Filmmusik zu übernehmen, eine weitere neue Erfahrung für die Sängerin.

Wenn ein Regisseur wie Lars van Trier ein Musical inszeniert, dann kann man sicher sein, daß dabei alles andere als typische Hollywoodkost entsteht. Das traurige und aufwühlende Drama des Regieexzentrikers erzählt von der langsam erblindenden Fabrikarbeiterin Selma, die täglich in einer Fabrik schuftet, um ihrem Sohn das Augenlicht retten zu können. Als ihr das mühsam ersparte Geld gestohlen wird, kommt es zur Katastrophe. Dancer in the Dark gewann 2000 in Cannes die Golden Palme, und Björk wurde zudem als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Selma Songs„, so der Titel der Soundtrack-CD, bedeutet für Björk eine Abkehr von ihren bisherigen sehr persönlichen Studioalben. Für Dancer in the Dark mußte sie sich in die Welt der von ihr verkörperten Selma versetzen. Diese verschafft sich im Tagträumen mittels ihrer Lieder Ausdruck. So entstanden neben einer wunderschönen melancholischen Ouvertüre sechs von Björk geschriebene und interpretierte Songs. Diese sind erwartungsgemäß experimentell und ungewöhnlich, wie z.B. das mit rhythmischen Maschinengeräuschen unterlegte „Cvalda“. Sie vermischen elektronische Elemente mit sinfonischen. Dabei finden sich durchaus altbekannte Musicalelemente in der Musik wieder. Geprägt sind die Kompositionen aber deutlich von Björks eigener unverwechselbarer Handschrift.

Selma Songs ist bisweilen keine einfache Kost. Alle, die weniger familiär mit der Musik der elfenhaften Sängerin sind, werden beim ersten Hören ihre Schwierigkeiten haben. Doch das Einhören lohnt sich. Die Musicalsongs sind virtuos komponiert und bringen in das eigentlich totgesagte Genre frischen Wind. Dancer in the Dark verabschiedet sich vom altmodischen Charme der Klassiker zugunsten eines faszinierenden Realismus. Wie in ihren Studioalben gelingt Björk auch mit Selma Songs eine aufregende musikalische Reise, die nicht nur allein Fans der Sängerin zu empfehlen ist.

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