Becoming Jane – Adrian Johnston

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Die Filmbiographie Geliebte Jane – Becoming Jane beschäftigt sich mit der berühmten Schriftstellerin Jane Austen, deren Liebesromane wie Stolz & Vorurteil oder Emma zu den Klassikern der englischsprachigen Literatur gehören und die Vorlage für zahlreiche erfolgreiche sowie prämierte Leinwandadaptionen gaben. Der Film selber ist wie eine Jane Austen-Verfilmung inszeniert: Anne Hathaway (Der Teufel trägt Prada) verkörpert Jane Austen als zerbrechliche, bildhübsche und sich stetig weiter emanzipierende Schriftstellerin, die eine unerfüllte Liebesbeziehung als Inspirationsquelle für ihre Bücher nimmt. Erlesene Bilder und die obligatorische Zutaten eines Jane Austen-Romans wie Ballszenen, abgelehnte Heiratsanträge unbeholfener Herren und das mit einem Liebhaber durchgebrannte Töchterlein rücken die Filmbiographie deutlich in die Nähe der berühmten Handlung von Stolz & Vorurteil, an dessen Publikumswirksamkeit offenbar angeknüpft werden soll. Erst im letzten Drittel konterkariert der Film die Erwartungen an einen Kostümfilm wie diesen und bietet einen von der belegten Biographie der Austen zwar vorgegebenen, aber nichtsdestotrotz für viele Kinogänger vermutlich überraschenden Schluss.

Auch die Musik des Briten Adrian Johnston orientiert sich an den Klangwelten, wie man sie von typischen Vertonungen im Genre kennt: Patrick Doyles Sinn und Sinnlichkeit, Rachel Portmans Emma (1996) und Dario Marianellis Pride & Prejudice sind die spürbaren Vorbilder. Ebenso orientiert sich Johnston an den Klavierkonzerten Beethovens (vor allem dem fünften). Dementsprechend stehen klassizistisch geprägte Stücke, mit Klavier- und Violinsoli im Vordergrund. Hinzu treten zarte Klänge der Harfe und hier und da Soli der Holzbläser. Die elegischen, zart-herben Streicherkantilenen und die ruhigen, einfühlsamen Klaviermelodien verströmen ein stimmungsvolles, mitunter geradezu bittersüß und fragil anmutendes Flair. Für lebhaftere Zwischentöne sorgen die obligaten Tanzstücke der Ballszenen, wie zum Beispiel der des öfteren bei Jane Austen-Vertonungen anzutreffende schottisch-irische Jig.

Das ist natürlich alles andere als neu und bewegt sich durchgängig auf bekannten Wegen. Doch dank der eleganten Themen und einer transparenten, meist kammermusikalisch gestalteten Instrumentierung fällt dieser Umstand kaum negativ ins Gewicht. Adrian Johnston hat mit seiner Arbeit eine überaus reizvolle, anmutige Komposition geschaffen, die sich nahtlos in die Liste gelungener Vertonungen im Genre einreiht und trotz der Parallelen zu den Vorbildern durchaus eigenständig bleibt. Angeblich hat der Komponist bei seinen Recherchen Einsicht in die originalen Musikbücher der Austen-Familie erhalten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in seine Arbeit einfließen lassen. Vielleicht ist es genau dieses kleine Quäntchen Authentizität, das Geliebte Jane eine besondere Note verleiht und damit zu einer zeitlos schönen Filmmusik macht.

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