„A New Year’s Dream“ – Filmmusik aus Hollywood

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Frank Strobel (©Kai Bienert)

Ein Hauch von Hollywood wehte am 1. Januar durch den prall gefüllten Konzertsaal des Kieler Schlosses. Der in Berlin lebende Frank Strobel, der sich seit Jahren nachhaltig für die Belange der Kinosinfonik einsetzt, dirigierte zum Neujahrskonzert unter dem Motto „A New Year’s Dream – Filmmusik aus Hollywood“ die Kieler Philharmoniker bei einer bunt zusammengestellten Reise durch die Filmmusikgeschichte. Diese begann beim üppigen „Breitwandsound“, wie es Moderator Manfred Callsen blumig umschrieb, von Miklós Rózsas Ben Hur und Erich Wolfgang Korngolds The Adventures of Robin Hood und reichte über den Jazz und Easy Listening der 60er Jahre (James Bond-Medley; Miss Marple) bis hin zum beliebten Krieg der Sterne von John Williams. Vor allem eines wurde dabei deutlich, nämlich wie vielseitig Filmmusik stilistisch sein kann. Ob die spätromantische Orchestersprache Korngolds, der Easy Listening-Jazz von Franz Waxman in Hitchcocks Das Fenster zum Hof, die leichte Popsinfonik des Bond-Medleys oder die opulente archaisierende Tonsprache der großen Kinoepen von Ben Hur bis Lawrence von Arabien: Das Publikum bekam einen groben Einblick in die Entwicklung der sinfonischen Filmmusik von den Anfängen des Tonfilms in den 30er Jahren bis heute und nebenbei natürlich auch eine Vielzahl bekannter und beliebter Filmthemen zu hören. Für so unterhaltsame wie eingängige Kost für einen festlich bestrittenen Neujahrsabend war also in jedem Fall gesorgt.

Die Kieler Philharmoniker hatten allerdings mit der ihnen vermutlich wenig vertrauten Musik mitunter ihre Schwierigkeiten: Das zeigte sich symptomatisch bereits bei der wuchtigen Ouvertüre aus Ben Hur: Es mangelte dem Orchester ein wenig an der nötigen Präzision und dem Timing, um die kraftvolle Rózsa-Musik überzeugend wirken zu lassen. Dieser Mangel wurde durch die schiere Lautstärke von Blech und Schlagwerk etwas kaschiert. Doch der Klang des Orchesters wirkte dadurch undifferenziert. Die elegischen Melodiebögen der Rózsa-Musik kamen zum Beispiel nicht so zur Geltung, wie man es von der Musik des Ungarn eigentlich kennt und erwartet. Ähnlich problematisch auch die „Flag Parade“ von John Williams, die das Pod-Race in Star Wars – Die dunkle Bedrohung (1999) einleitet. Der Glanz und die Dynamik dieses Stücks ließen sich hier bestenfalls erahnen.

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Andere Filmmusiken kamen dem von Frank Strobel exzellent dirigierten Orchester dafür mehr entgegen: Das mit beschwingter Leichtigkeit vorgetragene Hauptthema aus Ron Goodwins Miss Marple wusste ebenso zu begeistern wie die dreisätzige Suite aus Ennio Morricones Spiel mir das Lied vom Tod, bei der nicht zuletzt das vorzügliche Mundharmonika-Spiel von Marc Breitfelder bestach. Als würdigen Ersatz für den bei Neujahrskonzerten häufig vertretenen Radetzkymarsch lobte Moderator Callsen Maurice Jarres militärischen Marsch aus Hitchcocks Topaz, der seine Wirkung beim Publikum nicht verfehlte. Stark auch die Prelude aus Hitchocks Vertigo, deren soghafte Atmosphäre das Orchester virtuos einfing. Überhaupt waren es die weniger opulenten Stücke, mit denen die Kieler Philharmoniker am meisten punkten konnten. Zu einem besonderen Höhepunkt wurde daher auch die überraschende Zugabe: der raffinierte Tango aus Alfred Schnittkes Vertonung zum Film Agony von 1974 (das Stück ist auf der brillanten, bei cpo veröffentlichten CD Alfred Schnittke – Music from Movies enthalten). Der vorzüglich gespielte Tanz machte eindeutig Lust auf mehr. Und so kam es zu einer nicht geplanten zweiten Zugabe: Das Publikum wurde mit einer Reprise des Miss Marple-Themas trotz kleinerer Schwächen im Konzert rundum zufrieden in den eiseskalten Neujahrsabend entlassen.

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