3:10 to Yuma – Marco Beltrami

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Es ist zweifelsohne ein Kuriosum, dass in der langen Geschichte der Oscars keine einzige Musik für einen Italo-Western in der Musiksparte nominiert wurde – nicht einmal Maestro Ennio Morricone für Kult-Klassiker von Sergio Leone wie Spiel mir das Lied vom Tod oder Zwei glorreiche Halunken – The good, the bad and the Ugly. Umso verrückter, dass nun Marco Beltrami für den Hollywood-Western Todeszug nach Yuma – 3:10 to Yuma eine Vertonung geschaffen hat, die sich stilistisch tief vor Morricone verbeugt und mit dieser sofort und für viele wohl absolut überraschend in das Oscarrennen 2008 ziehen durfte (die begehrte Trophäe ging bekanntlich an Dario Marianelli für Abbitte – Atonement).

In seiner hochinteressanten, ambitionierten Komposition verbindet Beltrami geschickt die Stilismen des Italowesterns mit der eigenen charakteristischen Tonsprache (als Temp Track wurde Beltramis The Three Burials of Melquiades Estrada (2005) verwendet.) Diese Fusion wird bereits in der rhythmischen Gestaltung spürbar, die einerseits mit Gitarre, Marimba, Trompeten und Schlagwerk deutlich Richtung Morricone schielt, gleichzeitig aber im Einsatz synthetischer Klänge in der Tradition früherer Musiken des in Amerika lebenden Italieners steht. Wie einen verblassten Nachhall der klassischen Genrevorbilder entwickelt Beltrami eine karge, von der klirrend-kühlen Rhythmik getriebene Tonsprache, in der auch die tragenden Themen zwangsläufig nicht eine derart mitreißende Präsenz entwickeln, wie man es im Genre normalerweise von den besseren Vertretern gewohnt ist. Dennoch gibt es zwei eingängige Themen bzw. Motive für die beiden Hauptfiguren, die Beltrami überaus geschickt durch die Partitur trägt: ein einfaches 3-Notenmotiv, das auf der Gitarre im „Main Title“ vorgestellt wird und eine etwas westerntypische Gitarrenmelodie, die ebenfalls variantenreich verarbeitet wird.

Besonderes Augenmerk verdient die ungewöhnliche Instrumentierung: Alte Instrumente – zum Teil manipuliert -, verschiedene Arten von Gitarren und unzählige mehr oder minder kuriose Perkussionsinstrumente sind zu hören. Die facettenreiche Orchestrierung macht einen großen Teil der eigentümlich spröden Atmosphäre der Musik aus. Leider geht es dabei mitunter auch eine Spur zu atmosphärisch zu, läuft manche Spannungssequenz etwas in die Leere bzw. sind die rhythmischen Passagen doch nicht immer abwechslungsreich genug gestaltet, um ohne Bilder zu funktionieren. Dessen ungeachtet entsteht am Ende das Bild einer Komposition, die auf faszinierende Weise mit den gängigen Klischees des Italowestern bricht, das Lakonische und Ironische der Vorbilder von Morricone, Bruno Nicolai & Co. in einen spröden, grimmigen Kontext stellt und ihnen so das Nostalgisch-Wehmütige nimmt. Ohne Zweifel: Trotz der genannten Schwächen ist der Italowestern mit dem Todeszug nach Yuma auf charismatische Weise im neuen Jahrtausend angekommen.

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